Tara Conklin: Die letzten Romantiker

„Es geht um die echte Liebe, um wahre Liebe, unvollkommene, zaghafte Liebe. Es geht um die Kompromisse, die wir im Namen der Liebe eingehen. Nichts an der Liebe ist romantisch.“

Buchcover vor Winterbeet: Rezension zu Tara Conklins "Die letzten Romantiker"

Im Jahre 2079 hält die 102-jährige Dichterin Fiona Skinner nach 25 Jahren fernab der Bühne wieder eine Lesung ihres Werks. Als eine junge Frau nach einem ihrer Liebesgedichte fragt, dessen letzte Zeile den Namen „Luna“ beinhaltet, weicht Fiona zunächst aus. Doch die junge Frau lässt nicht locker. Sie möchte unbedingt wissen, was es mit dem Gedicht auf sich hat und wer die geheimnisvolle Luna ist, die sie zu diesen Zeilen inspiriert hat. Fiona gibt nach und beginnt, ihre Lebensgeschichte zu erzählen, die schlussendlich zu Luna führt. Doch bis dahin ist es für Fiona und ihre drei Geschwister Renee, Caroline und Joe ein weiter Weg. Im Sommer 1981 stirbt der Vater der Kinder. Die Mutter verliert sich daraufhin in ihrer Trauer und überlasst die Kinder sich selbst, die Mutterrolle übernimmt die Älteste, Renee. In dieser Zeit, von den Geschwistern als „die große Pause“ bezeichnet, wächst ein starkes und inniges Band zwischen den Geschwistern – jedoch tragen sie ganz auf sich allein gestellt auch Verletzungen und Traumata davon, die sie noch jahrelang verdrängen. Jahrzehnte später offenbaren sich diese in einer weiteren Tragödie, die die Familie trifft.

„Unsere Mutter wollte das nicht, ganz gewiss nicht, aber das hier ist die Geschichte einer gescheiterten Liebe, und die große Pause war nur der Anfang.“

Tara Conklins ergreifendes Familienepos ist wunderbar erzählt. Poetisch, leicht und immer wieder getragen von einer zarten Melancholie widmet sich das Buch auf seine Weise den ganz großen Themen: Familie, Liebe, Trauer und Verantwortung. Ganz besonders im Fokus steht natürlich die Beziehung der Geschwister untereinander, die getragen ist von einer tiefen Liebe, aber auch von Missverständnissen, Erwartungen und Schuld. Die enge Bindung, die sie während der großen Pause zueinander geknüpft haben, führt dazu, dass die Zeit für die Skinner-Kinder beinahe stehen bleibt. Die Geschwister sind füreinander konserviert in jener Zeit und teilweise blind für die Entwicklungen und veränderten Bedürfnisse der anderen.

Gegliedert in vier Teile wird von verschiedenen Stationen im Leben der vier Skinner-Geschwister erzählt, wobei Fiona als Ich-Erzählerin fungiert. Es ist ihre eigene Geschichte, eingebettet in die Rahmenhandlung der Lesung. Wird die Geschichte von Fionas Geschwistern erzählt, gibt es dagegen einen Perspektivwechsel zum auktorialen Erzähler. So begleitet man die charakterlich sehr unterschiedlichen Geschwister, die überaus fassbar und vielschichtig gezeichnet sind, durch alle Höhen und Tiefen, die ihnen im Leben begegnen und schließt sie immer mehr ins Herz.

„In diesen schwierigen Zeiten sind Geschichten wichtig. Auf gewisse Weise sind Geschichten das Einzige, was wir haben, um uns eine Vision von der Zukunft zu geben.“

Conklins ergreifendes Familiendrama, das durchaus auch als Coming-of-Age-Geschichte gelesen werden kann, ist sehr zu Herzen gehend, dabei aber niemals kitschig oder rührselig. Conklin schreibt beinahe zärtlich, sehr atmosphärisch und baut dabei eine unterschwellige Spannung auf, die dazu führt, dass sich das Buch nur schwer aus der Hand legen lässt. Dennoch ist keine Stelle im Buch überhastet, ganz im Gegenteil: der Roman baut sich langsam und bedächtig auf und nimmt sich die Zeit, die es braucht, um eine Familiengeschichte zu erzählen, die fast 100 Jahre umfasst.

Tara Conklin: Die letzten Romantiker (The Last Romantics)
Übersetzung: Edith Beleites
Harper Collins.
432 Seiten, 22 EUR.
ISBN-13: 978-3959675482

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