Klassiker neu entdeckt: Stolz und Vorurteil

„Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.“

Klassiker neu entdeckt: Rezension zu Stolz und Vorurteil von Jane Austen

Mrs Bennet hat es nicht leicht: Sie will ihre fünf Töchter möglichst schnell standesgemäß verheiraten. Ohne männlichen Erben fällt der Familienbesitz nämlich an den nächsten männlichen Verwandten – einen entfernten Vetter, den die Familie nicht besonders leiden kann. Die älteste Tochter Jane liefert Grund zur Hoffnung, knüpft sie doch zarte Bande mit dem reichen und gutaussehenden Nachbarn Mr. Bingley. Doch Elizabeth, die Zweitälteste und Lieblingstochter ihres Vaters, bereitet Mrs Bennet einiges an Kopfzerbrechen. Denn die intelligente junge Frau folgt stets ihrem eigenen Kopf und tut ihre Meinung offen kund. Auch von dem geheimnisvollen und unnahbar wirkenden Mr. Darcy lässt sie sich nicht aus dem Konzept bringen.

Nach vielen, vielen Jahren des Vorhabens und Doch-Wieder-Aufschiebens habe ich mich nun endlich herangewagt an Jane Austens „Stolz und Vorurteil“. Der Roman, der zur Weltliteratur zählt, erschien bereits 1813 und ist vermutlich das bekannteste Werk der Schriftstellerin. Doch auch noch heute hat die Liebesgeschichte von Elizabeth Bennet und Mr. Darcy zahlreiche Fans. Und das nicht ohne Grund!

„Ich kannte Sie noch nicht lange, da wußte ich schon, daß Sie der letzte Mann in der Welt seien, der mich dazu überreden könnte, ihn zu heiraten.“

Jane Austens Roman ist geprägt von einer leisen, aber doch deutlich mitschwingenden Gesellschaftskritik, wobei insbesondere die Rolle der Frau im Fokus steht. Elizabeth, die sich nicht scheut, ihre Meinung zu sagen und nur aus Liebe heiraten möchte, ist für die damaligen Verhältnisse eine überaus fortschrittliche und bahnbrechende Frauenfigur, die mein Herz im Sturm erobert hat. Auch die anderen Figuren sind liebevoll und mit viel Humor ausgearbeitet.

Der Roman lebt von seinen geistreichen Dialogen, welche von feinsinnigem Humor und unterschwelliger Ironie durchzogen sind. Insbesondere die scharfzüngigen Dialoge zwischen Elizabeth und Mr. Darcy haben es in sich. Selten habe ich mich von einem Klassiker so unterhalten gefühlt. Obwohl sich die Handlung dabei durchaus gemächlich entwickelt, zieht einen der Roman in seinen Bann. Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen und habe es letztlich in einem Rutsch durchgelesen. Worauf ich so lange gewartet habe? Ich habe nicht die leiseste Ahnung!

„Es geht doch nichts über ein gutes Buch; alles andere wird zu schnell langweilig! Wenn ich erst meinen eigenen Haushalt habe, muß ich unbedingt eine gute Bibliothek mein Eigen nennen.“

Zwar ist Caroline Bingley, die Schwester des gutaussehenden Junggesellen Mr. Bingley, eine ganz furchtbare und überhebliche Figur, bei obigem Zitat kann ich ihr aber nur aus tiefster Seele zustimmen. Und in dieser guten Bibliothek darf „Stolz und Vorurteil“ auf gar keinen Fall fehlen!

Für das ganz besondere Leseerlebnis möchte ich euch die wunderschöne Schmuckausgabe des Coppenrath Verlags ans Herz legen, die angefüllt ist mit ganz besonderen Überraschungen und Goodies, welche die Handlung quasi zum Leben erwecken. Ich möchte nicht zu viel verraten, daher gibt es nur einen ganz kleinen Einblick: zwischen den Seiten warten zum Beispiel eine Einladung zum Ball, eine Karte von London und natürlich Mr. Darcys berühmter Brief.

Jane Austen: Stolz und Vorurteil (Pride and Prejudice)
Übersetzung: Marjolein Bastin.
Coppenrath.
320 Seiten, 30 EUR.
ISBN-13: 978-3649629726

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