Taylor Jenkins Reid: Daisy Jones & The Six

„Wir lieben schöne, kaputte Menschen. Und kaputter oder im klassischen Sinne schöner als Daisy Jones ging es kaum.“

Rezension: Daisy Jones & The Six

Daisy Jones ist jung, umwerfend schön und sehr einsam. Von ihren reichen Eltern sträflich vernachlässigt sucht sie Anschluss auf dem L. A. Sunset Strip und wird dort schon in jungen Jahren eine feste Größe. Obwohl es eigentlich ihr größter Wunsch ist, Musik zu machen, wird Daisy zunächst vor allem als Partygirl und Groupie bekannt. Das ändert sich schlagartig als sie zum ersten Mal gemeinsam mit der jungen Rockband „The Six“ auf der Bühne steht. „The Six“ war bereits vor dem gemeinsamen Auftritt mit Daisy erfolgreich, doch zusammen schlagen sie beim Publikum ein wie eine Bombe. „Daisy Jones & The Six“ ist geboren. Doch zur Überraschung und Bestürzung ihrer Fans trennt sich die Band auf dem Höhepunkt ihrer Karriere mitten während einer Tournee ganz plötzlich und verschwindet von der Bildfläche.

„Ich hatte mich in den Falschen verliebt, der genau der Richtige war. Und ich hatte immer und immer wieder Entscheidungen getroffen, die es immer noch schlimmer machten und niemals besser. Schließlich verlor ich den Verstand.“

Taylor Jenkins Reid hat mit „Daisy Jones & The Six“ einen einzigartigen und absolut unkonventionellen Roman geschrieben, der seinesgleichen sucht. Das Buch erzählt die mitreißende Geschichte der fiktiven Rockband „Daisy Jones & The Six“, der ganze Roman ist dabei im Interview-Stil verfasst. Bandmitglieder und andere Zeitzeug*innen berichten über die Entstehungsgeschichte, den Zenit sowie den Fall der Band und vermitteln dabei logischerweise ein höchst subjektives Bild der Ereignisse. Der durchgängige Interview-Stil verleiht dem Roman einen scheinbar dokumentarischen Charakter, weshalb man sich als Leser*in immer wieder daran erinnern muss, dass es sich bei dem Werk um eine fiktive Bandgeschichte handelt.

„Und genau das wollen wir ja von der Kunst, oder? Dass jemand etwas auf den Punkt bringt, von dem wir das Gefühl haben, es wohnt in uns. Reißt einem ein Stück Herz heraus und zeigt es einem. Das ist, als würde man mit einem Teil seiner selbst vertraut gemacht.“

Reid hat sich für ihren Roman von realen Rockbands inspirieren lassen, besonders intensiv hat sie sich mit der Bandgeschichte von Fleetwood Mac auseinandergesetzt. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Figuren des Romans vor dem inneren Auge förmlich zum Leben erwachen. Das mag zudem daran liegen, dass durch den gewählten Interview-Stil alle Bandmitglieder die Ereignisse aus ihrer persönlichen Sicht erzählen. Dabei wird offengelegt, wie subjektiv Wahrnehmung ist und dass jeder seine ganz eigene Perspektive auf die Dinge hat. Die Beziehungsdynamiken zwischen den einzelnen Bandmitgliedern erweisen sich als sehr komplex und sind neben Freundschaft, Verständnis und Liebe teilweise auch von großem Konkurrenzkampf und exzessivem Drogenkonsum geprägt. Reid scheut sich dabei nicht, neben den glorreichen Momenten auch die Schattenseiten des Ruhms und Musiker*innen-Daseins zu beleuchten. So gelingt es der Autorin eine stimmige und authentische Geschichte zu erzählen, die gut die Atmosphäre der 70er-Jahre auffängt und vermittelt.

Mit Keyboarderin Karen, Billys Ehefrau Camila und natürlich Daisy hat Reid drei starke und unabhängige Frauenfiguren geschaffen, die im Verlauf der Geschichte besonders hervorstechen. Trotz ihrer durchaus sehr unterschiedlichen Lebensentwürfe begegnen sich die Drei immer mit Respekt und Achtung und avancieren so zu den eigentlichen Heldinnen der Band und des Romans.

„Ich hatte absolut kein Interesse daran, jemandes Muse zu sein.
Ich bin nicht die Muse.
Ich bin der Jemand.
Punkt.“

Reids Roman „Taylor Jones & The Six“ ist eine mitreißende Liebeserklärung an die Rockmusik der 70er-Jahre und gleichzeitig ungemein unterhaltsam. Mit dem durchgängigen Interview-Stil hat die Autorin eine unkonventionelle Form gewählt, die einen immer wieder vergessen lässt, dass es sich dabei nicht um ein biografisches Werk, sondern eine fiktive Geschichte handelt. Wenn im Anhang schließlich die Songtexte der Band aufgeführt werden, möchte man nichts lieber tun, als eine Platte von „Daisy Jones & The Six“ aufzulegen und laut mitzusingen.

Für alle, die noch nicht genug kriegen können: Die Band und ihre Songs sollen bald – zumindest filmische – Realität werden. Reese Witherspoon hat sich mit ihrer Produktionsfirma Hello Sunshine die Rechte an dem Werk gesichert und wird den Stoff als Mini-Serie adaptieren. Riley Keough, die Enkelin von Elvis Presley, wird dabei die Rolle der Daisy Jones übernehmen.

Taylor Jenkins Reid: Daisy Jones & The Six
Übersetzung: Conny Lösch.
Ullstein.
368 Seiten, 19,99 EUR.
ISBN-13 : 978-3550200779

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